Mein Kameraleben Teil 3d: Canon EOS 20D und Canon EF 28-135mm F3.5-5.6 IS USM

Wir sind im Jahr 2009 angekommen und ich habe endlich richtiges Geld verdient. Bafög war zwar auch richtiges Geld aber eben nur geliehen. Also richtiges Geld gleich neues Objektiv, denn ich war immer noch sehr daran interessiert mich dem Materialismus und der Lust am Kaufen hinzugeben. Außerdem habe ich das Wort „Bildstabilisator“ gehört und dachte mir, zu Recht, so etwas wäre eine tolle Sache für jemanden der kein Stativ schleppen möchten. Also habe ich nach langer Recherche das Canon EF 28-135mm F3.5-5.6 IS USM Objektiv gekauft.

Auch dieses Objektiv war wie das 50mm F1.8 nicht für den Sensor der Canon EOS 20D gemacht. Es gab ein äquivalentes Objektiv aber das war nicht nur teurer sondern kam auch in den Tests schlecht weg. Jetzt hatte ich umgerechnet eine Brennweite von 45mm bis 216mm zur Verfügung. Ein recht komischer Bereich für Stadtfotografie. Aber irgendwie habe ich auch mit diesem Objektiv arbeiten können und der Bildstabilisator war eine so nützliche Funktion, dass er für Jahre bei jeder neuen Kamera oder Linse dabei sein musste.

Canon EOS 20D und Canon EF 28-135mm: Beispielbilder

Train in front of power plant
Transportierte Kraft (2010)

Ich mache meine Touren fast immer mit Bus und Bahn und diese Bahnlinie führte direkt durch ein Industriegebiet. Ja … Berlin hat in der Tat noch Industrie. Der Zug hält hier direkt am Kraftwerk und ich hatte vor Jahren Gelegenheit gehabt eine Führung zu bekommen. Kraftwerke sind so etwas wie der Inbegriff der Industrialisierung. Ich sehe sie immer als Kathedralen aus Ziegeln und Schornsteinen, wobei dieses hier schon modernisiert wurde und diese speziellen Charme verloren hat. Wenn es nach einigen Menschen geht, sind solche Kraftwerke bald Teil der Vergangenheit während die Zukunft aus Solardächern und Windanlagen besteht. Wie auch immer die Zukunft der Stromerzeugung aussieht, wir sollten diese Kathedralen der Industrie im Gedächtnis behalten und vielleicht einige davon (wie diese hier) bewahren.

A daycare center
Null bis Neun (2010)

Diese Gebäude finden sich noch immer quer durch die ehemalige DDR. Es handelt sich um standardisierte Betonfertigbauten („Platte“) welche zumeist als Kindergarten oder Grundschule genutzt wurden. Architektonisch waren die Gebäude nicht gerade attraktiv und im Sommer neigten die Räume zum Überhitzen. Es sind eben nur Betonblöcke. Aber zumindest gab es meist ein großes Grundstück mit Spielgeräten, welches hier wunderschön neu gestaltet wurde. Besser als die ganzen Kinderläden im Prenzlauer Berg, welche sich einfach nur in Gewerberäumen einmieten und weder Hof noch Grundstück haben. Bis auf die Ausflüge zum Spielplatz sitzen die Kindern dann nur in Innenräumen. Wie traurig.

A building with orange sun screens
Protektoren (2009)

Eines der vielen neuen Häuser in Berlin. Hier wahrscheinlich in einer durch den Zweiten Weltkrieg bedingte Lücke gebaut, welche in der DDR oft vernachlässigt wurden. Man konzentrierte sich damals lieber auf Neubaugebiete anstatt die Innenstädte wiederherzustellen. In den 2000ern wurden diese Lücken, welche für uns Kinder tolle Spielplätze waren, rasch geschlossen und heute findet man praktisch kaum noch Leerflächen. Immerhin hat der Architekt den üblichen Bürolook durch orangefarbene Jalousien aufgelockert. Ein Besuch dieser Gegend um den Nordbahnhof lohnt vor allem nicht am Wochenende, wenn die Gegend wie ausgestorben ist, da die meisten Menschen hier nur arbeiten aber nicht wohnen. Manche Restaurants haben sogar am Wochenende (zumindest tagsüber) geschlossen.

One of the many buildings of the East German secret police
„Communication“ (2010) Canon EOS 20D and EF 28-135mm F3.5-5.6 IS USM 38mm@F5 1/320s ISO 100

Dieses Gebäude gehörte dem Ministerium für Staatssicherheit der DDR (Stasi) und diente der Überwachung von Telefon- und Funkverkehr. Es war zumindest in Teilen gegen Explosionen (durch Luftangriffe) geschützt und im Keller befanden sich hunderte mit Kabeln gefüllte Kanäle. Diese waren unter Druck gesetzt, so dass die Mitarbeiter sofort feststellen konnten wenn jemand versucht hat, die Leitungen abzuhören oder zu sabotieren. Natürlich hat man die Leitungen nicht nur geschützt sondern auch zum Abhören der eigenen Bevölkerung genutzt. Nebenan befindet sich das Stasimuseum welches definitiv einen Besuch wert ist. Wer nur Zeit für ein DDR Museum hat sollte auf jeden Fall hierher kommen und den kitschigen Nostalgie Horror „DDR-Museum“ an der Spree meiden.

Fazit

Alle Bilder haben eine Gemeinsamkeit. Die Gebäude sind aus Winkeln aufgenommen. Eigentlich ein Vergehen der „richtigen“ Fotografie aber was interessieren mich Regeln. Entweder die Bilder sind interessant oder nicht. Ich finde Winkel geben den Aufnahmen etwas mehr Dynamik und Authentizität, so wie wenn man den Kopf hebt oder dreht um einen guten Blick zu bekommen.

Das Objektiv hat letztlich nicht lange durchgehalten. Es war groß, schwer und ungeeignet für engere Straßen und weite Szenen. Außerdem kamen die ersten spiegellosen Kameras auf den Markt und natürlich musste ich etwas Neues kaufen. Es wird spannend denn jetzt kommt die Phase des „Gear Aquisition Syndroms“…kaufen des Kaufens willen. Geld war da, Vernunft nicht.

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