Mein Kameraleben Teil 3c: Die Canon EOS 20D und das Canon EF 50mm F1.8

Ich war bis jetzt ziemlich glücklich mit meiner digitalen Spiegelreflexkamera aber so eine Kamera mit wechselbaren Objektiven macht auch Lust neue Objektive zu kaufen. Zudem stellte ich fest, daß ich gern aus der Hand in schlechten Lichtverhältnissen fotografiere. Ich mochte es ausgedehnte Abendspaziergänge zu unternehmen und dazu kamen geschlossene Orte wie Bahnhöfe, Tunnel oder Shoppingcenter. Bis heute bin ich fasziniert davon wie die Welt mit Kunstlicht aussieht oder wie wir unterirdische Räume gestalten und nutzen.

Problematisch war daran nur das billige Kit-Objektiv, welches für solche Lichtverhältnisse nicht gemacht war gepaart mit meiner Bequemlichkeit kein Stativ tragen zu wollen. Stative haben ihre Daseinsberechtigung und sind für viele Arten der Fotografie unabdingbar um scharfe und korrekt ausgerichtete Bilder zu bekommen. Für jemanden wie mich, der gerne opportunistisch fotografiert, schnell und flexibel Motive entdeckt und einfängt ist so ein Ding hinderlich. Außerdem fällt man mit Stativ natürlich sofort auf und gerade in Bahnhöfen und Innenräumen sind sie nicht gern gesehen von den Menschen, die sich dort zur Einhaltung der „Sicherheit“ berufen fühlen (und dafür auch schlecht bezahlt werden).

Eine bewährte Lösung waren lichtstarke Festbrennweiten und das schon seit Jahrzehnten. Allerdings waren solche Objektive nicht unbedingt preiswert. Was mein studentisches Budget damals erlaubte war das Canon EF 50mm F1.8. Das billigste Canon Objektiv für lächerliche 125€, wenn ich mich recht entsinne. Nahezu komplett aus Plastik gefertigt aber mit einer Blende von 1.8 doppelt so hell wie mein genauso aus Plastik gefertigtes Zoom. Die 50mm Brennweite, welche an der Canon EOS 20D in etwa 80mm im „Vollformat“ entsprach war dagegen alles andere als ideal für meine Fotografie. Ich hätte ein leichtes und lichtstarkes Weitwinkelobjektiv gebraucht, aber die waren damals entweder sehr teure 35mm Objektive bzw. noch gar nicht verfügbar für APS-C Kameras. Stattdessen bekam ich ein leichtes Teleobjektiv. Etwas daraus gemacht habe ich trotzdem.

Canon EOS 20D + EF 50mm F1.8 Beispielbilder

Canon EOS 20D and Canon EF 50mm: A snowy train station
Warten im Orangenschnee (2005)

Eine Bahnstation in einer verschneiten Nacht irgendwo im Ruhrgebiet. Ich mag es wie der Hintergrund komplett im schwarz verschwindet. Ein Stilmittel welches sich öfter zeigen wird. Trotz neuem Objektiv ist das Bild nicht ganz scharf aber eigentlich stört die Unschärfe nicht. Die Einsamkeit, die Leere, die schwarze Nacht um den Bahnhof herum und die beiden Menschen, die in der Kälte warten, wirken auch ohne kristallklare Schärfe.

Canon EOS 20D and Canon EF 50mm: Crane over train station
Aufrecht über dem Bahnhof (2005)

Mitten in Berlin und im Blick der Bahnhof Friedrichstraße. Ich glaube ich habe die Kamera auf dem Brückengeländer mehr schlecht als recht balanciert. In der Gegend sind abends viele Fotografen mit Stativen unterwegs um dann später am PC die Bilder aufeinander zu rechnen für extrem viel Dynamikumfang (welchen die meisten Monitore ohnehin nicht darstellen können). Ich finde solche „HDR“ Fotos ziemlich künstlich und sie lassen alles wie aus Plastik aussehen. Die leichte Unschärfe und das Rauschen entsprechen mehr dem was das menschliche Auge sieht. Aber klar…vielleicht rechtfertige ich hier auch meine Faulheit kein Stativ zu benutzen 😉

Canon EOS 20D and Canon EF 50mm: Lonely Protestor
Einsamer Demonstrant (2006)

Hier war das leichte Teleobjektiv tatsächlich eine Hilfe und erlaubte mir die Szene passend einzufangen. Die Fahnenträgerin auf dem Weg nach Hause von der Demo. Die Fahne gehört zu „Attac“ einer damals aktiven globalisierungskritischen Gruppe. Heutzutage ist Attac medial kaum noch vertreten. Globalisierung war schon damals ein nicht mehr aufzuhaltender Fakt. Und trotz aller negativen Auswirkungen ist und bleibt Globalisierung ein großer Gewinn für die Menschheit. Ohne Frage bleibt viel zu tun, bestehen viele Probleme aber „Attac“ hatte auch damals keine Antworten sondern oft nur Klagen. Und natürlich die Evergreens „Spekulationssteuer“ und „Vermögenssteuer“. Das Kürzel Attac steht ja auch für Association pour la Taxation des Transactions financières et pour l’Action Citoyenne“.

Ich war in meinen 20er auf einigen Treffen und war schnell desillusioniert. Die Gruppierung konnte nichts Konstruktives vorweisen außer über die negativen Auswirkungen zu lamentieren und Geld für ich nenne es mal grob „Projekte“ zu fordern, welche aber letztlich nichts Grundlegendes geändert hätten. Inwiefern eine Finanztransaktionssteuer spürbare Änderungen bewirkt hätte? Ich weiß es nicht aber bin generell skeptisch gegenüber monokausalen Erklärungen. Später lernte ich die Arbeiten von Hans Rosling kennen, der mich mit Fakten und Argumenten weit mehr überzeugt hat als „Attac“ mit deren Forderungen. Ich habe beide verlinkt, der geneigte Leser darf sich eine eigene Meinung machen.

Canon EOS 20D and Canon EF 50mm: Trash Art
Trash Art (2006)

Eigentlich wäre das Canon EF 50mm F1.8 ideal für Portraits. Die große Blende zusammen mit der Brennweite würde einen angenehm unscharfen Hintergrund für das Model produzieren. Wenn ich denn Portraits machen würde. Stattdessen konnte ich dem Mülleimer ein Portraitfoto abluchsen. Die kreative Kopfbedeckung fiel sofort auf. Folge einer immer stärker werdenden Übernutzung der Parkanlagen. Viele der ländlich und kleinstädtisch geprägt Zugezogenen wollten auf das regelmäßige Grillen nicht verzichten. Das so etwas in einer Millionenstadt vielleicht nicht so einfach ist wie in einem Stuttgarter Vorort kam den Menschen nicht in den Sinn. Verdreckte Parks und überfüllte Mülleimer waren die Folge.

Canon EOS 20D and Canon EF 50mm: Blue Window
Blaues Fenster (2006)

Im Jahr 2006 wurden viele Häuser in meiner Nachbarschaft renoviert und die Wohnungen im Erdgeschoss in Gewerberäume umgewandelt. Für eine kurze Zeit gab es einen Überhang an Gewerbeimmobilien und die leeren Räume wurden bunt beleuchtet. Nicht um potentielle Mieter anzulocken sondern um Vandalismus durch die erlebnisorientierte Berliner Jugend zu verhindern.

Canon EOS 20D and Canon EF 50mm: Man waiting for train
Warten (2006)

Eines der vielen zufälligen Fotos auf meinen Unternehmungen durch Berlin, welche ich fast immer mit den „Öffis“ tätige. Wo sonst gibt es so viele Menschen zu sehen und so viele Szenen zu beobachten als im Nahverkehr. Der fortwährende Maskenwahn hat mir diesen Zeitvertreib leider ein wenig ruiniert. Gesichter nicht sehen zu können quält meine Seele und nimmt das eigentlich Interessante der Straßenfotografie weg. Aber genug lamentiert. Ich wünschte ich hätte das Bild besser komponiert aber entgegen der Stimmung im Bild war der Bahnhof ziemlich voll und das war meine eine Chance den Mann alleine auf der Bank zu erwischen. Trotzdem irgendwie gelungen. Auch hier war die Brennweite eigentlich ideal. Ich wäre mit einem Weitwinkel gar nicht nah genug herangekommen.

A subway train
Offene Tür (2010)

Ein leerer U-Bahn Waggon. Ich bin unglaublich fasziniert von Untergrundbahnen. Insbesondere von denen die noch vor dem Zweiten Weltkrieg gebaut wurden. Da steckt einfach soviel Geschichte in den Tunneln. Tatsächlich kann man hin und wieder Tunnelwanderungen buchen oder sogar mit einer Cabriobahn durch die Tunnel fahren. Für letztere Tour sind die Tickets aber fast immer schnell weg.

%d Bloggern gefällt das: