Leere Spielplätze und Gentrifizierung

Canon EOS 20D: Empty Playground
Leerer Spielplatz (2006)

Würdest Sie ihr Kind hier spielen lassen? Sicherlich nicht.

Ein Spielplatz im Osten Berlins im Jahr 2006. Vor der Wiedervereinigung und bis in die 1990er gab es hier noch Klettergerüste. Aber nach den neuen bundesdeutschen Regularien waren diese zu unsicher und wurden entfernt. Andererseits hatte die Stadt aber auch kein Geld neue Spielgeräte anzuschaffen. Immerhin konnte der Holzzaun errichtet werden um die Kinder vor der „stark frequentierten“ Einbahnstrasse zu schützen. Zudem wurde ein Schild mit allen verboten Aktivitäten aufgestellt. Verboten waren das Liegenlassen von Müll, Ballspiele, Hunde und das Mitbringen von Getränken in Glasflaschen. Typisch Deutschland.

Zehn Jahre später und all die hippen Leute sind entweder aus dem Prenzlauer Berg weggezogen oder haben Kinder bekommen und wurden spießig-konservative Grünenwähler. Es wurden Komitees und politische Initiativen gebildet. Auf einmal ist die Gegend voll mit Spielplätzen. Mehr Spielplätze als es eigentlich braucht. Sehr ironisch wenn man bedenkt, daß die Gegend für viele Familien jetzt schon zu teuer wird, während sich zugleich wohlhabende Rentner aus Westdeutschland mit Wohnungen eindecken und herziehen. Was wollen die mit Spielplätzen? Die Enkel kommen vielleicht mal zu Besuch.

Andere nicht ganz so wohlhabende Gegenden sind weniger großzügig mit Spielplätzen ausgestattet. Nicht weil sich die gut verdienenden Bewohner hier selbst Spielplätze finanziert haben. Nein, die gut verdienenden Bewohner sind nur geübt darin mit politischem Aktivismus den Einsatz von Steuergelder entsprechend zu lenken. Die weniger wohlhabenden Gegenden, bewohnt von Menschen die auch weniger politisch aktiv sind, bezahlen das am Ende mit.

Gentrifizierung ist ein Prozess der nicht aufzuhalten ist. Aber es sollte ein Prozess sein, den die Politik nicht noch verstärkt so wie man es an der Ausstattung mit hochwertigen Spielplätzen sieht. Aber Politiker sind am Ende auch Sklaven ihrer Wähler und Lobbygruppen. Und die Urban Gentry ist sehr gut darin den politischen Prozess zu beeinflussen, die Gentrifizierer sind eine starke Lobby.

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