Durch die Straßen rennen…..

Auf dem Rückweg, hochgradig koffeiniert und gut gelaunt. Kamera in der Hand, alles fest eingestellt und los geht es. Ohne Plan, ohne Vorbereitung einfach laufen, sehen, fotografieren und möglichst nicht stehen bleiben. Immer in Bewegung, immer im Flow und einfach die Umgebung und die Menschen wirken lassen. Sozusagen die hyperaktive Variante eines Fotospaziergangs … oh Entschuldung … Fotowalk.

runandgun
Ende der Angst (2021)

Die Maske. Ein Symbol unserer Zeit. Ein Symbol für Angst, Schutz, Gehorsam, Widerstand, ein Tugendsignal und ein Maulkorb. Sie polarisiert und das unnötigerweise. Vieles hätte leichter und ohne Feindseligkeit sein können, aber die Maske musste nicht nur staatlich angeordnet sondern auch noch als Schutz der Mitmenschen verkauft werden. Was für eine Kombination! Menschen mit Blockwartmentalität fühlten sich nun berufen andere auf ihre Verstöße aufmerksam zu machen. Hypochonder und Neurotiker verinnerlichten den Fremdschutzgedanken und fühlten sich fortan von nackten Gesichtern bedroht. Auf der anderen Seite produzierte diese Kombination Abwehrhaltungen, bei manchen aus sachlicher Überzeugung, bei anderen aus kindlichem Trotz gegenüber Bevormundung.

Vielleicht hätte Freiwilligkeit gereicht aber möglicherweise können wir Freiwilligkeit als Gesellschaft schwer ertragen. Die Freiheit anders zu entscheiden und anders zu denken hatte es in diesem Land noch nie leicht. Ich bin gespannt wie wir in einigen Jahren darüber denken. Die Maske zeigt die große Spaltlinie unseres Landes auf. Zwischen denen die eigenverantwortlich leben und entscheiden wollen und denen die vom Staat umsorgt und versorgt werden möchten. Freiheit ist schwierig und kann weh tun, Unfreiheit auch. Zeit einen Ausgleich zu finden zwischen dem Versorgungsbedürfnis der einen und dem Freiheitsdrang der anderen. Und Zeit zu akzeptieren, daß es keinen „großen gemeinsamen Zusammenhalt“ in der Gesellschaft gibt und eigentlich auch nie gab.

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Warten (2021)

Zwei unterschiedliche sozio-ökonomische Milieus vereint im Warten auf die grüne Ampel. Vereint im selektiven Beachten der Regeln. Dient die Ampel wirklich unserem Schutz? Ich muss immer an die niederländischen Städte denken, welche in bestimmten Gegenden alle Verkehrsteilnehmer gleichrangig auf die Straßen lassen. Rücksicht statt Ampel. Natürlich zwingt diese Einstellung zu entschleunigtem Autoverkehr. Vielleicht dient die Ampel in Deutschland ja auch mehr der Sicherstellung eines zügigen Straßenverkehrs. Fußgänger stören da nur. Deutschland ist immerhin Autoland, ein Land in dem generelle Tempolimits auf der Autobahn ein politisch heißes Eisen sind. „Freie Fahrt für freie Bürger“ wie eines der großen Blätter der Republik einmal titelte.

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Litfaßsäule (2021)

Die 1990er haben angerufen. Sie wollen ihre Telefonzellen zurück. Eine Telefonzelle, was ist das? Wird man dort aufgrund exzessiver Handynutzung eingesperrt? Ganz im Gegenteil, die Zelle bietet Schutz vor Wind und Wetter, Privatsphäre und ein kabelgebundenes Gerät zur Kommunikation. Vielleicht auch noch ein paar dicke Bücher in der alle Menschen mit Telefonanschluss verzeichnet sind. Heute wollen wir aus Angst vor Werbung und Betrug unsere Telefonnummern geheim halten und damals standen wir in öffentlich verfügbaren Büchern. What!? Diese Zelle scheint mir nur noch als Werbebox und Behelfstoilette zu dienen. Ein anachronistisches Relikt aus einer anderen Zeit. Aus einer Zeit in der Telefongespräche noch mit Einheiten abgerechnet wurden, Gespräche am Abend billiger waren und Mobiltelefonie nur den Reichen und Schönen vorbehalten war.

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Liebe (2021)

Was drückt jemand beim Tragen eines solchen Kleidungsstückes aus? Ich will Liebe? Ich kann Liebe geben? Ich bin voller Liebe? Ich habe keinen Geschmack? Vielleicht ist das simple Statement „Love“ besser als die unsäglich präsentierten Markennamen nebst „est. 19xx, original brand, whatever“. Bei allem Kitsch dieses Stückes ist der Ausdruck Liebe etwas Wunderschönes. Wir sollten öfter daran denken es zu tun. Nicht nur im Privaten sondern in der Gesellschaft. Insbesondere in der Gesellschaft. Nicht jeder mit einer anderen Meinung ist böse, feindselig, hat Unrecht oder ist dumm. Wir sollten den Anderen liebevoll entgegentreten. Vielleicht lernen wir etwas Neues. Vielleicht tun wir damit uns etwas Gutes.

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