Acros: Das Ende einer Affäre

Einer der Gründe warum ich ziemlich schnell ein “Upgrade” auf die Fujifilm X100F (eng.) gemacht habe war die Acros Filmsimulation. Ein großer Teil meiner Fotografie ist im monochromatischen Raum zu Hause und die X100F war die erste Kamera (die mir abgesehen von Leica Monochrome bekannt war), welche einen dedizierten Schwarzweiss-Modus mitbrachte. Klar jede Kamera kann ohne Farbe aber zumeist wird hier einfach nur die Sättigung der Farbkanäle weggenommen. Fujifilm versprach dagegen ihre “color science” aus den bisherigen Filmsimulationen auch für Schwarzweiss einzusetzen. Damit sollten ansprechende SW-Bilder direkt aus der Kamera möglich sein.

“It’s not you it may be me”

Und es kam wie erwartet, ich habe Acros ziemlich exklusiv benutzt. Da war einfach so ein “Pop” eine “Griffigkeit”, welche dem normalen SW Modus fehlt. Dennoch meine Affäre mit Acros scheint ein Ende zu finden. Wie ich in meinem Artikel über die meistgenutzten Filmsimulationen (eng.) schrieb, benutze ich fast nie das künstliche Filmkorn, welches letztlich nur eine technische Grenze der Filmtechnologie war. Diese Grenze haben digitale Sensoren durchdrungen wobei diese ihr eigenes Limit also Sensorrauschen mitbringen. Warum sollte ich künstlich diese Schwäche von Film rekreieren wenn der Sensor ein klareres und besser aufgelöstes Bild erzeugen kann. Das wäre ja so wie ein modernes Objektiv benutzen und dann Unschärfe und Verzerrungen simulieren. Da könnte man auch gleich alte Objektive benutzen oder eben einfach Film. Ich schweife ab 😉

Künstliches Filmkorn ist der Grund warum ich immer weniger Lust habe Bilder mit Acros zu machen. Gezoomt oder groß gedruckt fällt das künstliche Korn, welches in die Filmsimulation schon eingebaut ist, zu sehr auf. Insbesondere bei Portraitfotos stört es mich. Dennoch Acros sieht gut aus in kleinem Format oder auf dem Bildschirm. Also beschloss ich einen Test zu machen. Fujifilm Kameras bieten ein “Filmsimulations Bracketing” an. Die Kamera macht eine Belichtung und erstellt drei Dateien mit den gewählten Simulationen. Da es immer drei sein müssen habe ich Acros, Monochrome und Classic Chrome gewählt. Die Farbbilder sind am Ende zum Vergleich eingefügt. Mit dem Schieber können die Fotos verglichen werden. Am Ende verrate ich welches Bild womit aufgenommen wurde.

Beispiele und Vergleich

Acros vs MonochromeAcros vs MonochromeAcros vs MonochromeAcros vs Monochrome
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Müll oder Glücksfund? Diesmal leider nur kaputtes Zeug. Dennoch ich liebe diese Kisten auf der Straße. Wie eine kleine Schatzsuche.

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Acros vs MonochromeAcros vs Monochrome

Die kleinen Stühle sehen nicht sehr bequem aus. Aber das ist nicht der Punkt. Sie sind einladend weil sie es erlauben zu sitzen und die Menschen bei ihrem Einkaufsbummel zu beobachten. Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen. Vielleicht zusammen mit einem guten Freund um Hobbypsychologie zu spielen.

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Acros vs MonochromeAcros vs Monochrome

In Kürze bieten lokale Händler und Kunsthandwerker ihr Waren an. Die auffälligen Farben sollen Besucher von weit her anlocken. Aber der Tag war nass und windig und so blieben die Stände zu.

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Die alte Filiale von Starbucks. Sie schloss schon vor den Corona Lockdowns aufgrund fehlender Nachfrage. Aber nur wenige hundert Meter weiter hat ein hübsches individuelles Café eröffnet. Menschen wollen was Lokales und das ist auch gut so. Dennoch, lokale Coffeeshops mit netten Besitzern und fair gehandeltem Kaffee sind genauso Teil des Kapitalismus wie Starbucks. Es liegt an uns Kunden zu entscheiden.

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Die Bilder links sind mit dem regulären Monochrome und die Bilder rechts mit Acros entstanden. In diesem Ausschnitt kann man den Unterschied in der Klarheit durch das falsche Filmkorn gut erkennen.

Fazit

Wenn ich mir die Bilder anschaue fällt auch, daß die monochromen Bilder etwas wärmer sind, mehr Klarheit haben aber ein wenig Kontrast vermissen lassen. Die Mitten wirken etwas schwächer. Die Acros Bilder dagegen sind scheinbar schärfer, da das Korn die Ecken verstärkt aber Klarheit und etwas Detail gehen verloren. Am meisten fällt mir jedoch auf, daß der Unterschied zwischen beiden Bildern zumindest auf dem Bildschirm gar nicht so groß ist. Für mich ist die Entscheidung jedoch klar. Acros bleibt nur noch für spezielle Zwecke. Die meisten Fotos werde ich mit Monochrome mache. Dadurch behalte ich auch einen konsistenten Stil zwischen der X-T3 und der X70, letztere kennt nämlich noch kein Acros. Das auch Monochrome Bilder ausdrucksstark und kontrastreich sein können zeigt das Foto in diesem Post.

Alle Fotos wurden mit der Fujifilm X-T3 und dem TTArtisan 35mm F1.4 aufgenommen. Es war ein regnerischer Tag und meine kleine Tochter lief mit ihrer Holzkamera neben mir her und hat alles “geknipst” was auch ich fotografiert habe. Sehr zur Freude der Passanten 🙂

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